03/08/2026
VOR DEM HOLLER ZIEH DEN HUT
So hieß es in Bayern und Österreich, und gemeint war kein Baum, sondern ein unscheinbarer Strauch am Rand des Hofes. Man grüßte ihn im Vorbeigehen. Man fällte ihn nicht. Und wenn es sich nicht vermeiden ließ, bat man ihn vorher um Erlaubnis.
Der Schwarze Holunder war jahrhundertelang der Hausstrauch schlechthin, und er ist bis heute eine der eigenartigsten Pflanzen unserer Gärten.
Drei Dinge, die die wenigsten über ihn wissen:
Er erntet zweimal im Jahr. Im Juni die weißen Blütendolden mit dem honigartigen Duft, im September die schwarzvioletten Früchte. Zwischen beidem liegen drei Monate und ein völlig anderer Geschmack. Wer im Juni Blüten pflückt, bekommt an diesen Dolden im Herbst keine Beeren.
Seine Früchte gehören zu den wenigen heimischen, die man nicht roh essen sollte. Erst durch Erhitzen werden sie bekömmlich, und genau deshalb gibt es Holunder fast ausschließlich verarbeitet: als Saft, Sirup, Gelee oder Suppe.
Er verrät alte Siedlungen. Als Stickstoffzeiger wächst er dort, wo der Boden besonders reich ist. Ein alter Holunder mitten im Wald ist oft der Hinweis auf eine längst verschwundene Hofstelle.
Was Frau Holle mit dem Strauch zu tun hat, warum Kinder aus seinen Zweigen Flöten schnitzten und woran Sie den Attich erkennen, lesen Sie hier:
https://healthbliss.de/blogde/schwarzer-holunder-sambucus-nigra-bluete-beere
Wächst bei Ihnen im Garten oder in der Nachbarschaft ein Holunder? Und falls ja: Blüten oder Beeren?