09/10/2026
„Du warst so pflegeleicht.“
Ja. Ich habe auch vieles mit mir selbst ausgemacht.
Ein Kind hört nicht auf, Trost zu brauchen, weil keiner kommt. Aber es kann aufhören, danach zu fragen.
Wenn auf Sorgen immer wieder ein „Jetzt nicht“, ein genervter Blick oder „Mir geht’s auch nicht besser“ kommt, lernt ein Kind etwas darüber, wie viel Platz seine Gefühle haben.
Dann schaut es erst: Wie geht’s Mama? Ist Papa schlecht drauf? Kann ich das jetzt erzählen oder wird es dann noch schwieriger?
Und wenn das Kind auch noch die Erwachsenen beruhigt, ihre Sorgen auffängt und sich für ihre Stimmung verantwortlich fühlt, nennen wir das emotionale Parentifizierung. Es übernimmt eine Verantwortung, mit der es selbst Unterstützung gebraucht hätte.
Später sitzt du dann vor deiner Mutter und sagst zum ersten Mal, was dir wehgetan hat. Sie weint. Und du tröstest sie.
Was du sagen wolltest, bleibt wieder liegen.
Genau deshalb reicht ein „Du musst halt Grenzen setzen“ oft nicht. Du übst dabei auch, die Enttäuschung eines anderen Menschen auszuhalten, ohne sofort deine eigene Grenze zurückzunehmen.
Schuldgefühle können dabei auftauchen. Auch wenn du gerade etwas aussprichst, das längst Platz gebraucht hätte.
Und ja, deine Eltern waren selbst überfordert. Sie hatten ihre Geschichte. Dafür darfst du Verständnis haben.
Die Frage bleibt trotzdem: Wer war damals für dich da?
Nicht jedes ruhige Kind erlebt das. Entscheidend ist, ob es auch traurig, wütend, bedürftig oder unbequem sein darf und dabei Zuwendung bekommt.