31/08/2026
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MEDIZIN FÜR SCHWERE TAGE
Trink ein Glas Wasser.
Dein Körper braucht Wasser.
Iss irgendetwas.
Eine Banane.
Ein Stück Brot.
Eine Suppe.
Wassermelone, wenn du magst.
Es soll einfach sein.
Wenn deine Katze da ist,
leg deine Hand auf ihr Fell.
Wenn du aufstehen kannst,
stell dich kurz ans Fenster.
Wenn du raus kannst,
steh barfuß ins Gras.
Wenn du nicht raus kannst,
bleib liegen.
Auch das zählt.
Atme nicht “richtig”.
Atme einfach.
Ein.
Aus.
Noch einmal.
Wenn dein Körper weh tut,
kämpf nicht sofort gegen ihn.
Leg eine Hand auf die Stelle.
Sag nicht:
“Geh weg.”
Sag:
“Ich weiß.
Ich bin da.”
Wenn Duschen zu viel ist,
wasch nur dein Gesicht.
Wenn Zähneputzen zu viel ist,
spül deinen Mund aus.
Wenn Anziehen zu viel ist,
wechsel nur das T-Shirt.
Leg dich auf den Teppich.
Oder ins Bett.
Oder auf das Sofa.
Zieh die Decke bis unters Kinn.
Sei still.
Oder fluch.
Beides ist erlaubt.
Wenn du kannst,
reib deine Hände warm.
Leg sie auf dein Gesicht.
Auf deinen Bauch.
Auf deinen Brustkorb.
Massier deine Kopfhaut.
Ganz langsam.
Sag deinem Körper:
“Ich habe dich noch nicht verlassen.”
Wenn Musik geht,
mach Musik an.
Wenn Musik zu viel ist,
lass es still.
Wenn du gehen kannst,
geh zehn Minuten.
Wenn zehn Minuten zu viel sind,
geh bis zur Haustür.
Wenn selbst das nicht geht,
setz dich aufrecht hin.
Auch das ist Bewegung.
Schreib einen wahren Satz.
“Heute ist schwer.”
“Heute tut alles weh.”
“Heute bin ich noch da.”
Mehr muss es nicht sein.
Schau in den Spiegel,
wenn du kannst.
Und wenn du dein Gesicht gerade nicht magst,
musst du nicht sagen, dass du wunderschön bist.
Sag nur:
“Ich sehe dich.”
Das reicht.
Depression macht alles kleiner.
Körperliche Schmerzen ebenso.
Den Radius.
Die Lust.
Den Hunger.
Die Stimme.
Manchmal sogar die Hoffnung.
Dann mach das Leben auch kleiner.
Nicht für immer.
Nur für heute.
Ein Glas Wasser.
Ein Stück Brot.
Eine Katze.
Ein Fenster.
Ein Atemzug.
Noch einer.
Und wenn heute kein Feuer da ist,
musst du keines erfinden.
Und wenn selbst die Glut kaum spürbar ist,
leih dir für heute ein bisschen Wärme
von der Sonne,
vom Tee,
von einer Decke,
von einem Tier,
von einem Menschen.
Du musst heute nicht strahlen.
Du musst heute nicht heilen.
Du musst heute nicht stark sein.
Bleib nur ein bisschen bei dir.
So gut es eben geht.
Und wenn heute alles weh tut,
dann sei nicht auch noch diejenige,
die dich dafür beschimpft.
Mach den Tag gemütlich.
Mach ihn weich.
Halt ihn irgendwie durch.
Und wenn am Ende nur das gelungen ist:
Du bist noch da.
Dann ist das genug.
Verena Meera