12/09/2026
Yoga und Meditation sind nicht unpolitisch!
Die aktuellen Wahlergebnisse hinterlassen bei vielen eine Lähmung. Doch der vertraute Reflex – mediale Dauer-Empörung oder der Rückzug ins moderne Biedermeier der eigenen Bubble – löst nichts. Er vertieft nur die Gräben.
Was kann uns das alte Yoga-Wissen in dieser Zäsur sagen?
Wenn wir den yogischen Wert des Satyas praktizieren – die radikale Wahrhaftigkeit, die ungeschönt anerkennt, was ist –, sehen wir eine fundamentale Krise: Kaum jemand hört noch zu. Aus dem Gefühl, nicht mehr gesehen zu werden, wächst Ohnmacht und die Anfälligkeit für spaltende Scheinlösungen. Auf der anderen Seite reden viele nur noch über andere statt mit ihnen.
Hier wird Yoga politisch hochrelevant: Es ist keine Realitätsflucht, sondern eine Bewusstseinsschulung des Nervensystems, um den Raum für echte Begegnung überhaupt aus-halten zu können.
Im Yoga ist Ahimsa (Gewaltfreiheit) eben kein passives Erdulden, sondern die enorme Kraft, Gewalt in Gedanken, Worten und Taten bewusst zu unterbrechen. Es ist die kompromisslose Weigerung, Hass Raum zu geben – ohne dabei selbst zu verrohen. Wir sprechen auch von Vira Bhakti (mutige Hingabe).
Historische Vorbilder zeigen, wie wehrhaft diese Haltung ist:
🕊️ Mahatma Gandhi
Verknüpfte Ahimsa mit dem Beharren auf der Wahrheit (Satyagraha). In der Sache unnachgiebig, im menschlichen Kontakt stets offen. Er bewies: Innere Sammlung und politischer Widerstand schließen sich nicht aus – sie bedingen einander.
🕊️ Thích Nhất Hạnh
Lehrte mitten im Vietnamkrieg das tiefe Zuhören als Teil des engaged buddhism: Zuhören heißt nicht zustimmen. Es verlangt die innere Größe, dem Gegenüber Raum zu geben, ohne in Verachtung abzugleiten.
Yoga trainiert uns darin, nicht wie eine bloße Reflex-Amöbe auf äußere Reize zu reagieren.
Die Praxis schenkt uns ein aufrechtes Rückgrat: den Raum zu halten, zuzuhören – und im Geiste von Satyagraha unmissverständlich für unsere Werte einzustehen.
Wie geht es dir mit den aktuellen politischen Lage: Gelingt es dir im Alltag deine Werte zu leben und im Austausch zu bleiben oder spürst du den Impuls zum Rückzug?
Meike