10/09/2026
BALLASTSTOFFE! WIESO BALLASTSTOFFE?
Wenn Du schon einmal Probleme mit Durchfall bei Deinem Hund hattest, kennst Du vielleicht schon Ballaststoffe als TA-Empfehlung. Oder, wenn Du schon mal die Kotflora Deines Hundes im Labor (zum Bsp. bei www.enterosan-vet.de) hast untersuchen lassen, tauchte danach wahrscheinlich im Darmsanierungsplan Deiner Tierheilpraktikerin oder Ernährungsberaterin als ganz wichtiger Bestandteil der Begriff „Ballaststoffe“ auf.
Was sind das nun - „Ballaststoffe“ und welche Alternativen hast Du, wenn es mit den meist empfohlenen gemahlenen Flohsamen wegen einer zu geringen Verträglichkeit nicht geklappt hat?
Zunächst einmal zur Frage: Was ist das – Ballaststoffe?
Ballaststoffe sind unverdauliche Faserstoffe von Pflanzen, z.B. die Silberhäutchen an ungeschältem Reis und die Faserstoffe – und auch Kerngehäuse – von Obst und Gemüse oder gemahlene Fasern oder Samen.
Es gibt wasserunlösliche Ballaststoffe, sie quellen im Darm auf und haben die Funktion, das Kotvolumen zu erhöhen und damit die Darmperistaltik anzuregen. Der Klassiker ist hier Futterzellulose. Ich würde ihn vor allem bei übergewichtigen Tieren einsetzen, weil sie durch Quellen im Magen lang satt halten, und bei Hunden, bei denen die Verdauung nicht (mehr) so gut funktioniert.
Und es gibt wasserlösliche Ballaststoffe, die durch Quellen Gel bzw. Schleim bilden, der die Schleimhäute schützt. Die meisten bilden durch Fermentation im Dickdarm kurzkettige Fettsäuren v.a. Butyrat (Buttersäure) als Energielieferant für die Dickdarmschleimhaut und dienen den guten Darmbakterien als „Nahrung“. Unter diese Kategorien fallen vor allem Inulin, Pektin und auch gemahlene Akazienfaser. Sie stärken die Darmschleimhaut und machen sie widerstandsfähig gegen pathogene Keime und Toxine jeder Art. Beide Sorten Ballaststoffe regen die Darmperistaltik an – die einen mehr, die anderen weniger.
FLOHSAMENSCHALEN (Psyllium)
Quillt von allen Ballaststoffen am stärksten – reguliert sowohl Durchfall als auch Verstopfung – und erzeugt so den stärksten Druck auf die Peristaltik und bildet aber auch ein Gel, das sich schützend auf irritierte Schleimhäute legt. Flohsamenschalen fermentieren nur in geringem Maße, so dass es nicht zu Blähungen kommt. Deshalb gibt dieses Mittel als gut verträglich.
Ich setze Flohsamenschalen gerne ein bei akuten Durchfällen, aber auch bei Patienten, die immer wieder mit überschießender Magensäure auffallen (ohne dass eine diagnostizierte im Hintergrund besteht) und einem Reizdarm (sofern, die Blähungen erträglich bleiben). Super wichtig ist bei der Gabe von Flohsamenschalen, dass den Hund ausreichend Wasser zugeführt wird.
PEKTIN
Auch Pektin ist gelbildend, fermentiert dabei allerdings stark. Es hat einen hohen Bindungseffekt auf Toxine im Darm, aber auch für Gallensäuren. Sinnvoll ist, es langsam einzuschleichen, dann halten sich – wie im Übrigen auch bei den anderen Mitteln - die Blähungen in Grenzen. Ich setze Pektin (aus Apfeltrester) gern bei akuten Durchfällen aufgrund von falschem Futter oder auch beim sog. Gallensäurenverlustsyndrom ein.
INULIN
Inulin wird schnell und vollständig durch die Darmbakterien fermentiert. Es vermehrt vor allem die Bifidobakterien und verbessert die Kalziumaufnahme und fördert die Stuhlfrequenz. Bei der Fermentation entstehen durch bakterielle Umwandlung auch hier kurzkettige Fettsäuren, die für das Darmmilieu extrem gut sind (z.B. den Darm ph senken). Sie sorgt allerdings wegen der Schnelligkeit des Prozesses auch für Blähungen und bei vorgeschädigtem Darm auch für Bauchweh und Krämpfe – für ein Reizdarmsyndrom oder gar für einen entzündeten Darm ist also Inulin eher nichts.
AKAZIENFASER
Akazienfaser quillt kaum, es entsteht kein Druck auf die Darmwand. Die Fermentation findet sehr langsam statt. Beides passt gut zu einem sehr entzündeten Milieu und Hunden, die schnell Probleme mit Blähungen bekommen. Hier wäre zu denken an Pat. mit einem sensiblen Darm, einem SIBO oder auch einem Reizdarm Wie Inulin ernährt auch Af. Lactobacillus und Bifidobacterium gut.